2. Zahnsanierung - Körperverletzung?

- Körperverletzung?
- Störende Zahnwerkstoffe - Fallbeispiele mit Bilddokumentation
- Erfahrungsbericht (Titanimplantat)
- Zahnwerkstoff-Testsatz der IST-Positivliste für biometrische Testmethoden
Ausführliche Darstellung hierzu findet sich im Buch „Krankheit ist messbar“ S. 139-148.

Das Problem

Bei nüchterner Betrachtung ist das ein wissenschaftlich anerkanntes und somit forensisch abgesichertes Therapiekonzept der Zahnmedizin: Zahnärzte werden zu Restauratoren ausgebildet, aber im Gegensatz zu Bildrestauratoren benötigen sie keinerlei Kenntnisse über chemische oder metallurgische Zusammensetzungen der zigtausenden marktüblichen Zahnwerkstoffe. Es ist zwar kaum vorstellbar, aber dieses Kapitel wird im Studium ausgeklammert, wie mir immer wieder versichert wird. Über die Toxizität von Kunststoffen und Metallen (Indium, Gallium, Kupfer, Nickel etc., auch in Goldlegierungen) weiß ein  universitär ausgebildeter Zahnarzt nichts.

Appelle

„Wegen der bis heute geringen Kenntnisse über systemische Effekte durch zahnärztliche Materialien tragen Ärzte und Zahnärzte eine große Verantwortung“, so Staehle (1). Und? - Was ist zu tun? - „Werkstoffkunde tut Not! Fangen wir an, etwas dafür zu tun.“ Das ist ein Appell von Professor Marx an die Zahnärzteschaft aus dem Jahre 1973. „Die hoffnungslose Situation zahnärztlicher Werkstoffkunde in der Bundesrepublik muss geändert werden!“ so der frühere BDZ-Präsident Professor Rehberg (4). 

Konsequenzen

Welche Konsequenzen hat die universitäre Zahnmedizin zwischenzeitlich gezogen? Der nichtzahnärztliche Laie erwartet verständlicherweise, dass der Zahnarzt die volle Verantwortung für die Verträglichkeit oder Nichtverträglichkeit der Zahnwerkstoffe trägt, die er verwendet. Es ist zu erwarten, dass die zahnmedizinischen Wissenschaftler den Herstellern die Vorgaben für patientenverträgliche Werkstoffe machen und nicht umgekehrt. Es gibt genügend toxikologisch und pharmakologisch eindeutige Ergebnisse der Materialforschung, die von den Entscheidungsgremien der Universität und bei der Entwicklung neuer Werkstoffe jedoch nicht zur Kenntnis genommen werden.

Gesicherte Erkenntnisse

„Zur Verringerung der bekannten toxischen Nebenwirkungen der Composites wäre es deshalb von vorrangiger Bedeutung,  nur toxikologisch unbedenkliche Verbindungen in Füllungskunststoffen zu verwenden.“ Spahl/Budzikiewicz/Geurtsen 5 .
„Die für den Aufbau der Dentinhaftung angegebenen Zeiten von 30 – 150 Sekunden basieren auf einer inkorrekten Anwendung der einzelnen Adhäsivelemente und sind deshalb eindeutig zu kurz. Die Vorhärtung wird konstant mit 20 statt 60 Sekunden angegeben“ Lutz / Krejci / Schüpbach 6.„Die Füllung auf Kasse ist definitiv eine Roheit gegenüber den Patienten, sie ist unethisch und unverzeihlich“, Hetz7.

Beispiel: Phthalate (Kunststoffweichmacher)

z.B. Dimethylterephthalat / Dibutylphthalat (DBP)

Staehle und Kollegen müssen sich fragen lassen, warum z.B. Phthalate, die endlich - aus Sicht biophysikalischer Testverfahren viel zu spät - als Auslöser von Allergien, Asthma, Krebs und embryonalen Entwicklungsstörungen erkannt worden sind, in Zahnwerkstoffen unproblematisch sein sollen (Verblend-, Füll-, Versiegelungs- und Kleber-Kunststoffe). Ein erster Schritt ist getan. Nach neuesten EU-Richtlinien mit Wirkung ab Juli 2005 wurde die Verwendung von sechs verschiedenen Phthalaten in Babyartikeln (z.B. Schnullern), Spielzeug und Kosmetika verboten. Was aber ist mit den Phthalaten in Tabletten, Kapselmaterial, Kontaktlinsen, Kondomen, Infusionsschläuchen, Kathetern, und vor allem in Zahnwerkstoffen,  Endoprothesen-Kunstoff und -zementen, die den Körper Tag und Nacht und über viele Jahre belasten?  

Beispiel: Bisphenol A (BPA)

Die Bevölkerung schützt sich inzwischen zunehmend durch Verbraucher- und Selbsthilfegruppen. Sie sind diejenigen, die teilweise gegen große Widerstände versuchen, das Leben der Menschen vor Schadstoffen in Lebensmitteln, Medikamenten, Zahnwerkstoffen, Gebrauchsgegenständen etc. zu schützen. Es war u.a. auch ihre Initiative, sich dafür einzusetzen, dass z.B. Babyflaschen frei von Bisphenol-A (Östrogenwirkung!) sein müssen. Bisphenol-A-(di)-methacrylat (BisGMA) gehört zu den Kunststoff-Komponenten, die nahezu in allen dentalen Kunststoffen standardmäßig enthalten sind. Wo bleibt hier der Protest bzw. aktives Handeln von Seiten der verantwortlichen Zahnmediziner?
BPA in Stichworten:
BPA schädigt die Hirnentwicklung, Spermienproduktion, verursacht Zyklusstörungen, Prostata-Volumenzunahme, Übergewicht.
Die toxischen Eigenschaften von BPA wurden durch 138 öffentlich finanzierte Studien einwandfrei nachgewiesen, nicht aber von den 11 Industrie-gesponserten Studien! Letztere waren offensichtlich ausschlaggebend für die Entscheidung der EU-Lebensmittelbehörde (EFSA), den Tages-Toleranzwert (TDI) für BPA 2007 sogar noch zu erhöhen: von 10 auf 50 µg !!! (siehe W. Willems, „Ergebnisse nach Wunsch“, SZ 3. Nov. 2007).

Bisphenol A - 2016

Im Dezember 2013 wollte die EU-Kommission eine Gemeinschaftsstrategie zum Umgang mit hormonwirksamen Umwelttoxinen, zu denen auch Bisphenol A gehört, beschließen. Dieser Beschluss wurde aufgrund eines Antrags der Industrie mit dem Ziel vertagt, vor einer Beschlussfassung erst einmal die möglichen wirtschaftlichen Folgen durchzukalkulieren. Als einziges Land hat Schweden die EU-Kommission wegen Rechtsbruchs verklagt und im Dezember 2015 vor dem Europäischen Gerichtshof gewonnen. Dennoch gibt es bis heute keinerlei politische Konsequenzen. Allerdings hat sich zwischenzeitlich die Kommission der Wissenschaftler auf ein Konsenspapier für eine einheitliche Teststrategie geeinigt. Das heißt aber, dass eine Korrektur der Grenzwerte noch lange auf sich warten lassen muss. Immerhin werden pro Jahr in Europa mehr als 1 Mio Tonnen Bisphenol A verbraucht.
 

Zahnwerkstoffe in der Mundhöhle

„So ist seit langem beschrieben, dass dentale Kunststoffe unter experimentellen Versuchsbedingungen in Zellmodellen eine zytotoxische und kanzerogene/mutagene Wirkung entfalten können. Auch besteht seit vielen Jahren Kenntnis über die eingeschränkte Konversionsrate bei der Polymerisation. Es ist bekannt, dass es unter den vielfältigen Beanspruchungen der Mundhöhle zur Freisetzung zahlreicher Substanzen kommt“, Staehle 2.   – Und? –

Diagnoseverfahren

Die Zahnmedizin hat es seit vielen Jahren, ja seit Jahrzehnten versäumt, sich um aussagefähige Diagnoseverfahren zu bemühen. Nicht nur das, sie hat wertvolle aussagekräftige Diagnoseverfahren, die bei professioneller, standardisierter Anwendung die Toxizität von Werkstoffen für die Zahnsanierung und Endoprothetik in situ (im Körper) unproblematisch erfassen, als unwissenschaftlich erklärt und damit forensisch angreifbar gemacht. Dadurch ist die Zahnmedizin, die wie keine andere Disziplin in alle anderen Fachgebiete hineinwirkt, zu einer unerschöpflichen Quelle unterschiedlichster Krankheitsstörungen und damit zu einem schwerwiegenden Faktor bzw. Problem für unser Gesundheitswesen geworden. „Analytische Messverfahren zum Nachweis im Organismus sind nicht etabliert.“ (Staehle 2). Aber die angebotenen Werkstoffe werden bedenkenlos und mit unbeschwertem Gewissen verarbeitet, weil sie das Zertifikat „biokompatibel“ tragen, obwohl sie am lebenden Organismus niemals geprüft wurden, auch nicht geprüft werden können in Ermangelung effizienter Prüfmethoden.

Wichtig

Unter meinen zahnwerkstoffgestörten Patienten gibt es nicht einen einzigen, der zwischen seiner Erkrankung und einer zurückliegenden zahnärztlichen Behandlung einen Zusammenhang gesehen hätte. Eine Erklärung hierfür ist, dass die Beschwerden selten sofort, sondern mit Verzögerung auftreten, teilweise erst nach Jahren. Das heißt, dass diese Patienten in nicht eine der zahnärztlichen Statistiken aufgenommen werden. Das erklärt auch, warum die Zahnwerkstoffe der Negativliste sich eines so strahlenden Renommees erfreuen.

Empfehlung

Eine längst überfällige, vor allem sachliche Auseinandersetzung mit einem standardisierten biophysikalischen bzw. biologischen Testkonzept wäre für die vielen betroffenen Patienten eine dringend erforderliche Hilfe und für unser Gesundheitswesen eine entscheidende Entlastung.
Das von Staehle immer wieder gegen biologische Zahnsanierung vorgebrachte Argument einer "regelrechten Gebissverstümmelung" ließe sich dann endgültig ad acta legen. Im übrigen ist das ein Vorwurf, der nicht nur negative Auswüchse der biologischen, sondern gleichermaßen auch der konventionellen Zahnmedizin trifft.

Forderung für unsere Patienten

Einführung des obligatorischen Studienfachs „Werkstofforientierte Pharmakologie, Toxikologie, Physiologie und Biochemie“ für alle Zahnärzte und Zahntechniker. Nicht nur die Auswahl der in Frage kommenden Werkstoffe, sondern auch die Häufigkeit der Verarbeitungsfehler ließen sich signifikant reduzieren.

Dank

an die zahnärztlichen Kollegen, die sich aus Eigeninitiative nicht nur mit der Werkstoffkunde, sondern auch mit standardisierten und reproduzierbaren Prüfmethoden für die individuelle Verträglichkeit von Werkstoffen - wie z.B. der IST-Diagnostik - auseinander gesetzt haben bzw. setzen. Hierzu gehört nicht nur erheblicher zeitlicher und finanzieller Aufwand sondern auch Mut.

Literaturangaben zu den Zitaten:

    • Staehle H.J.: Gesundheitsrisiken durch zahnärztliche Materialien? Dtsch. Ärztebl. Ärztl. Mitt. 91 (8): 495-502,
    1994

    • Staehle H.J.: Füllung und Versiegelung: Eine Risikoabschätzung bei Kunststoff-Materialien. Zahnärztl. Mitt. 87
    (4), 1997

    • Marx H.: Werkstoffkunde tut not! Zahnärztl. Mitt. 69: 791-793, 1979

    • Rehberg H.J.: Werkstoffkunde – in Nijmegen und in Deutschland. Zahnärztl. Mitt. 62: 232-236, 1972

    • Spahl W., Budzikiewicz H., Geurtsen W.: Eine Untersuchung zum Restmonomer- und Additivagehalt
    verschiedener lichthärtender Hybrid-komposite. Dtsch. Zahnärztl. Z. 46: 471-475, 1991

    • Lutz F., Krejci I., Schüpbach P.: Adhäsivsysteme für zahnfarbene Restaurationen. Schweiz. Monatsschr.
    Zahnmed. 103 (5): 537-549, 1993

    • Hetz G.: Die Neuen Materialien, DS 6/97

    IST-Negativliste

    • Alle Versiegelungslacke

    • Alle polyacryl- bzw. polycarbonsäurehaltigen Kleber und Zemente, auch Aqualox (16,5 % Polyacrylsäure!);
    entsprechend hierzu gehören u.a. Glasionomerzemente, Compomere

    • Kunststoffe - in welcher Form auch immer - für die Kauflächen im Seitenzahnbereich und für den
    Kronenaufbau.

    • Kaltpolymerisate z.B. für Zahnprothesen, -unterfütterungen und -reparaturen, ganz besonders auch in
    Zahnspangen!, Aufbiss-Schienen etc.

    • Single-Component Adhesive

    • Keramik-Inlays und -Kronen, solange sie sich nur mit Kunststoffklebern und nicht mit klassischem Zement
    befestigen lassen.

    • Lote, Metallkleber // Laserschweißtechnik ist derzeit die optimale Lösung

    • Goldreduzierte und NEM-Legierungen, Amalgame. Die eindeutigen toxikologischen Forschungsergebnisse
    lassen sich nicht wegdiskutieren.

    • Eugenol, in jeglicher Form (stört die Polymerisation von Kunststoffen) Cave: Asthma, Allergien, Hypertonie etc.

    • Malfarben für Kunststoff (z.B. Cadmiumhaltig!)

    • Zahnwurzelfüllmassen mit Inhaltsstoffen wie: Bariumsulfat, Butandiol, Colophonium, Cortison bzw.
    Dexamethason, Epoxyharze, Eugenol, Formaldehyd, Jod, Polyacrylsäure, Wismut

    • Der Epikutantest, wenn er in seiner Eigenschaft als klassischer Allergietest fachüberschreitend auch für
    toxikologische Problemstellungen autorisiert wird. Pathogene Zahnwerkstoffe stören auf Grund ihrer
    toxischen und nur ausnahmsweise durch allergisierende Eigenschaften.

    • Das „zahnwerkstoffliche Potpourri: 15 und mehr unterschiedliche Zahnwerkstoffe in einem Gebiss sind keine
    Ausnahme“. *
     

    • Weiterführende Information: Störende Zahnwerkstoffe
    • Weiterführende Literatur siehe Publikationen Nr. 3.
     
    Sonderdruck aus dem PHILIPP JOURNAL:
    Zahnwerkstoffe in der Humanmedizin: naturwissenschaftliche Aspekte

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